Die
Geschichte der studentischen Verbindungen am Technikum in Hildburghausen
Die
Herren Direktor Rathke und Ingenieure Niemann, Marotke und Jentzen
gründeten mit den Studierenden der Höheren Fachschule für Maschinenbau
in der zweiten Hälfte des Jahres 1876 einen „Wissenschaftlichen
Verein“. Ein Jahr später traten die Bautechniker der an den Höheren
Fachschule neu aufgenommenen Bauabteilungen hinzu.
Eigentlich
liegt der Ursprung der Studentischen Verbindungen am Technikum schon viel
weiter zurück. Es bestanden bereits in Einbeck und dann in Sondershausen
die Fechterschaften „Cimbria“ mit den Farben blau-weiß-rot und
„Teutonia“ (blau-weiß-grün).
Am
6. Februar 1877 wurde die Sängerschaft „Concordia“ gegründet. Die
Mitglieder trugen blaue Stürmer und die Farben waren
weiß-blau-weiß. Aus den Resten der „Concordia“ ging 1888 die
Sängerschaft „Euphonia“ hervor.
Die
schlagenden Verbindungen „Cimbria“ und „Teutonia“ wurden 1878
wieder aufgelöst. Die „Concordia“ siedelte mit dem
„Wissenschaftlichen Verein“ von Sondershausen nach Hildburghausen
über.

Wappenkranz der ehemaligen Verbindungen
Am
Anfang wurden vom „Wissenschaftlichen Verein“ keine Farben getragen.
Es gab eine Schulmütze, grün-weiß mit schwarz-weiß-rotem Band,
die Landesfarben von Sachsen-Meiningen und die Reichsfarben. Sie hat
sich aber infolge ihrer Farbenfreudigkeit nicht durchgesetzt. Im Jahre
1889 entschied man sich für die Farben schwarz-weiß-grün und für die
Mützenfarbe (die Deckfarbe) grün.
Die
Entwicklung ging weiter. Bedingt durch die größer gewordene Anzahl von
Studierenden teilte sich der „Wissenschaftliche Verein“ auf in den der
Maschinen- und Elektrotechniker mit den alten Farben schwarz-weiß-grün, der Hoch- und Tiefbauer mit den Farben
grün-weiß-grün und der Eisenbahner, mit den Farben
grün-weiß-schwarz. Diese Farben wurden bei allen Vereinen am
unteren Rand an der grünen Mütze getragen.
Aus
der von Herrn Ingenieur Niemann am 20. Juni 1887 ins Leben gerufenen
Unterabteilung des Turnvereins entwickelte sich die 1889 gegründete
„Techniker-Fechter-Riege“. Sie wählte sich die Farben rot-weiß, die
Farben der Deutschen Turnerschaft, und trug diese als rot-weißen
Selbstbinder, weil das Tragen eines Bandes verboten war. Das Wort „Rhenania“
wurde 1906 hinzugefügt, die Farben in weinrot-weiß-gold geändert. 1894
folgte die Gründung der „Sängerschaft Philharmonia“. 1933 schlossen
sich die Philharmonia und die Rhenania zur „Landsmannschaft Rhenania“ zusammen.
Das
Gründungsjahr des „Wissenschaftlichen Vereins Litteraria“ in
Hildburghausen war 1890. Ihren Ursprung hat die Verbindung jedoch in
Einbeck, wo sie seit 1889 bestand. 1892 wurde von Angehörigen der
Elektrotechniker-abteilung des Technikums die „Elektro-Technische
Verbindung Volta“ gegründet. 1933 schlossen sich die Litteraria und die
Volta zur „Burschenschaft Germania“ mit den Farben grau-weiß-gold
zusammen.
An
Pfingsten 1900 wurde unter der Kaiserbuche am Stadtberg von Hildburghausen
die Turnerschaft „Alemannia“ aus der Taufe gehoben. Sie bestand bis
zur befohlenen Auflösung 1937.
Im
Jahre 1905 wurde in Rudolstadt die „Technische Verbindung Bauhütte“
gegründet. Mit der Stilllegung des dortigen Technikums im Jahr 1908
siedelten die Studierenden und die Bauhütte nach Hildburghausen um. 1909
schloss sich der „Wissenschaftliche Verein der Bautechniker“ der „TV
Bauhütte“ an (Farben grün-weiß-rot, Deckfarbe grün).
Der
„Wissenschaftliche Verein der Maschinen- und Elektrotechniker“
verwendete den gleichen Wahlspruch – „Segen ist der Mühe Preis“ –
wie der Gründer des Technikums Harmsen Wilhelm Rathke. Am 2. Januar 1923
wurde der Name der Verbindung in „Wissenschaftliche Verbindung
Markomannia“ umgeändert. Die Farben waren schwarz-weiß-grün,
die Deckfarbe weiß.
1899
wurde die „Katholische Technische Verbindung Unitas“ gegründet. Um
einem allgemein drohenden Verbot der Verbindungen zuvor zu kommen, löste
sich die Unitas 1936 durch Beschluss selbst auf. Die
dann am 8. August 1937 durch das NS-Regime befohlene Auflösung der
Verbindungen war das Aus für das Farbentragen in Hildburghausen.
Nach
dem Zweiten Weltkrieg konnten von den ehemals zehn Verbindungen drei im
Westen Deutschlands wieder reaktiviert werden - die TV Bauhütte zu Kassel
(1958), die CStV Unitas zu Wuppertal (1952) und die Rhenania zu Friedberg
(1953). Die ehemaligen Studierenden der nicht reaktivierten Verbindungen
schlossen sich 1963 zum „Verband ehemaliger Studierender des Technikums
in Hildburghausen (VESTH)“ zusammen. 1964 erfolgte unter der Patenschaft
des VESTH die Gründung der Ingenieur-Verbindung Hildburgia zu Coburg.
1965
übergab der VESTH im Rahmen einer Feierstunde, zu der ca. 500 Personen
anwesend waren, die Tradition des Technikums - bzw. der 1946 aufgelösten
staatlichen Ingenieurschule Hildburghausen - an das damalige Polytechnikum
in Coburg. Im Rahmen der Feierstunde wurde eine Gedenktafel enthüllt, die
diesen Anlass würdigt und den Wahlspruch des Gründers trägt: „Segen
ist der Mühe Preis“.
Hohes
Alter und Krankheiten hinterließen auch bei den Ehemaligen ihre Spuren.
Um die Amtsgeschäfte an Jüngere abzugeben und um den Zusammenhalt der
reaktivierten Verbindungen zu fördern, wurde der „Hildburghäuser
Freundschaftsbund (HFB)“ gegründet, dem die Verbindungen TV Bauhütte
zu Kassel, IV Hildburgia zu Coburg und
CStV Unitas zu Wuppertal angehören.
Der HFB übernahm die Kontaktpflege zum ehemaligen Studienort und richtet
seit der Wiedervereinigung regelmäßig Zusammenkünfte in Hildburghausen
aus. Tatkräftige Unterstützung bei den Aktivitäten der Berufsbildenden
Schule Hildburghausen und damit auch des ehemaligen Technikums ist hier
bis heute ein selbst auferlegter Pflichtteil der Verbindungen des HFB.

Chronik der
Verbindungen - illustriert an Hand von "Wappenkarten"

Couleurkarte der
HFB-Verbindungen
herausgegeben anlässlich der 110-Jahr-Feier des Neuen Technikums
im Oktober 2006
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